ZitatAlles anzeigenWessen Name in einer Todesanzeige steht, ist nicht nur notwendigerweise tot, sondern auch für kurze Zeit populär und berühmt, für viele Dahingeschiedene sogar zum ersten Mal im Leben. Auf den Handheld Sektor übertragen heisst das: Die Meldung vom gestrichenen Europa-Launch des Gamepark32 (GP32) rief Reaktionen wie „Den gibt’s ja auch noch“ oder „Wer ist das denn?“ hervor und brachte dem Handheld auf seine alten Tage nochmal (wenn auch zweifelhaften) Ruhm ein. Allerdings kann man dem GP32 durchaus noch soetwas wie Lebensfreude und Agilität bescheinigen, dank der Ärzte: Die heißen in diesem Fall empee, skeezix oder Guyfawkes und sind Hobby-Programmierer für den kleinen Koreaner, dem längst die kommerziellen Spiele ausgegangen sind. Während Mitsui den Europstart nun gänzlich gestoppt hat und Gamepark jedwede Hoffnung auf einen kommerziellen Durchbruch das Geräts verloren zu haben scheint, halten die begabten wie fleißigen Amateurentwickler dem GP32 die Stange und somit am Leben. Und sie tun es leidenschaftlicher und ambitionierter als es Gamepark je war! „It´s a shame!“ hört man Guyfawkes klagen, der sich in absehbarer Zeit der Zodiac-Entwicklung zuwenden wird.
Doch begonnen hat alles im Jahre 2000/2001 als Gamepark die ersten Entwicklerkits verteilte, Dokumentationen wie Anleitungen verschickte und die Unterstützung von Amateur Entwicklern versprach. Kurzerhand wurde jedoch der Prozessor des GP32 aufgebohrt, Entwicklerkits mussten also angepasst werden und als das endgültige Modell dann ausgeliefert war, wurden die Hobby-Entwickler vom koreanischen Konzern weder berücksichtigt noch unterstützt, im Gegenteil: Die offizielle Entwickler-Website wurde gelöscht und alle Anfragen zu diesem Thema schlichtweg ignoriert. Als nach etlichen Monaten das Entwicklerkit dann endlich doch noch herausgegeben wurde, hatten sich die inoffiziellen Coder bereits anderer Mittel bedient, um auf dem GP32 zu entwickeln: Professionelle Tools und Kits wurden bereits zuvor geleakt, an die Interessenten verteilt und die Entwicklung von sogenannter Homebrewn-Software konnte beginnen. Das war Ende 2001.
Zur selben Zeit begann ein 27-jähriger, in der Szene als "Guyfawkes“ bekannter Engländer, sich für den GP32 zu interessieren, bestellte ein Exemplar bei einem Hongkong Händler und machte sich fortan als talentierter Programmierer einen Namen. Nicht nur, dass er beispielsweise ein Würfelspiel für den fernöstlichen Handheld schuf, auch gründete er GP32Emu.com, eine Seite für und von Hobby-Programmierern. Heute ist seine Leidenschaft für die GP32-Programmierung jedoch fast gänzlich zum Erliegen gekommen. „It´s a shame!“ wiederholt er und lobt im selben Atemzug die großartige, freundliche und stets für Jedermann offene Szene. Kleine Pfadfinder seien sie alle, jeder hilft jedem und doch herrscht mancherorts eine friedliche Rivalität, wenn es an Entwicklungen und das Beweißen der eigenen Fähigkeit geht. Wenn man ihn auf Gamepark anspricht, verliert er etwas von seiner sonst so ungezwungenen Lebensfreude und driftet ins Förmliche ab: Man müsse dem Konzern für den Open-Source Handheld danken, meint er und hat nicht recht viel mehr Positives über die Koreaner zu sagen. Viel hätten sie eh nicht versprochen, das bisschen hätten sie dann aber schon halten können. Weniger kommerzielle Spiele geht garnicht und dass sie so manche interessierte Entwickler einfach so ignoriert haben, sei eine Sauerei. Die einzigen die ihm Leid tun, sind die Käufer, die lange Zeit in die Irre geführt wurden mit einem europäischen Launch, den es nie wird geben. Ob er die Gelegenheit nutzen wolle für Abschiedsbekundungen und letzte Grüße: Nein, nein, treubleiben werde er der Szene als User auf alle Fälle, zu herzlich sei sie und vertraut. Er nennt mir noch ein paar Bekannte und Programmierer, die mir mehr sagen könnten über Gamepark und deren Lustlosigkeit und macht sich wieder an sein letztes GP32-Projekt: Ein Dart-Spiel.
Sein Freund „empee“, ebenfalls Hobby-Programmierer und Instandhalter des GP32-Channels im IRC, ist mit seiner Offenherzigkeit und der detaillierten Beantwortung meiner Fragen stellvertetend für den Großteil der Szene. Da beginnt man mit den Worten „GP32“ und „first projects“ und der 18-Jährige erzählt mit großer Leidenschaft von Firefly, dem Pionier der GP32-Szene, mit dem alles anfing und mit dem er im Winter 2001 den GP32-Channel ins Leben rief. „Funny“ soll der Start des GP32 gewesen sein, erzählt er und gibt zu Bedenken, dass er das alles nur gehört habe. Von ihm haben wir die Informationen über das Vernachlässigen der Amateure seitens Gamepark, das er uns ausführlich beschrieben hat. Viele Leute seien damals sehr verärgert und einige sogar ganz vergrault worden und fügt nostalgisch Namen wie darkfader oder costis an, Entwickler, die es jetzt alle in verschiedene Richtungen verschlagen habe. Die stünden mit für den Anfang der GP32 Szene. Ob er verärgert ist über die vielen Abgänge und Abwanderungen frage ich ihn und als wäre es das selbstverständlichster der Welt antwortet er, dass nunmal alles irgendwann ein Ende hat und sich die Welt ja schließlich auch weiterdrehe, das Fortbestehen der GP32 Szene aber keineswegs in Gefahr ist. Zumindest für das nächste Jahr nicht. Schließlich wurde gerade erst eine 3D-Engine veröffentlicht und überhaupt: Alles Gerede über eine sterbende Community sei „Bullshit“, Gamepark ist nicht die Szene. Er will mir noch mehr technische Finessen und Details erzählen, doch ich verstehe nicht und selbst bei seinen einfachsten Erläuterungen muss ich nachfragen. Wir einigen uns schließlich darauf, dass ich den Artikel auch in englischer Sprache veröffentlichen werde, er gibt mir noch ein paar interessante Links mit auf den Weg und wenige Sekunden später sitzt er bereits beim Beantworten einer Mail, in aller Ausführlichkeit versteht sich.
Abschließend sprach ich mit Jeff Mitchell, alias „skeezix“, dem Szene-bekannten Erschaffer so mancher Emulatoren und Spiele. Noch heute, gut zwei Jahre nach seinem Einstieg in die GP32-Community schwärmt er von den unfassbar vielen Möglichkeiten, die dieses „kleine, großartige Gerät“ so biete. Gamepark habe fast alles richtig gemacht, eine freundliche Firma sei es, die halt einfach nicht das Geld für umfassende Werbung und Verbreitung des GP32 hatte. Trotzdem: Ein Open-Source Handheld sei das größte Geschenk, das sie ihm als Entwickler erbringen konnten. Wenn man den 26–Jährigen aber so richtig ins Schwärmen bringen will, führt kein Weg am Thema Szene und Kollegen vorbei. Wie beim Rock´n Roll sei es, der Geist der großen Künstler schwebe auch heute noch in den Köpfen der Nachfolge-Generation, nur dass die „Großen“ in der GP32-Szene gleich um die Ecke sind, in Form von IRC-Channels oder Email. Anspornender könne es garnicht sein, jeder wolle den Handheld nach vorne pushen, die Grenzen der Programmierung erweitern und noch mehr, noch bessere Entwicklungen erschaffen. Ob Gamepark heute noch wichtig sei frage ich ihn und spüre die Gleichgültigkeit in seiner Antwort: Es sei wie in der Malerei, nach dem Tod des Malers steigt nicht selten der Wert des Bildes... zwar komme der Zodiac, aber gerne wiederholt er sich, wenn er über die gastfreundliche und gemeinschaftliche Szene des GP32 spricht. Erfahrung hat er sammeln können, sowohl in Sachen Programmierung, als auch Werte wie Freundschaft und Kollegialität betreffend. „Kleines, großartiges Gerät...“
Der GP32 bietet der Szene also nicht nur eine in technischer Hinsicht einzigartige Entfaltungsmöglichkeit, auch schweisst das gemeinsame Interesse am Fortleben des Geräts zusammen und gleichzeitig schafft es Vertrautheit und Freundschaft, die die „Szene“ fast schon als positives soziales Umfeld erscheinen lässt.
[size=11]Quelle: Vidgames[/SIZE]
Nach der Games Convention hatte ich mich schon so auf ihn gefreut... ![]()