ZitatAlles anzeigen"Das ist der schlimmste Antisemitismus auf Zelluloid seit den Propagandafilmen der Nazis."
So schreibt Filmkritikerin Jami Bernard in den "New York Daily News" über Mel Gibsons "Die Passion Christi". Selten findet die Kulturseite in den U-Bahnen und Parks, bei Frühstücks- und Mittagspausen so viele Leser wie heute. Mancher nickt bei der Lektüre zustimmend, andere schütteln verständnislos den Kopf.Szenenwechsel, eine Vorführung in Harlem: Das Publikum hält den Atem an, man könnte eine Stecknadel fallen hören. Durchbrochen wird die Stille nur von gelegentlichem Schluchzen, als Jim Caviezel in der Rolle des Jesus auf der Leinwand brutal gemartert wird. Dann spitze Entsetzensschreie bei der expliziten Kreuzigungsszene. Als Jesus später aufersteht, ruft eine Frau laut "Hallelujah!" und der ganze Saal füllt sich zum Abspann mit tosendem Applaus.
147 Minuten Gewalt
Die Kontroverse um Mel Gibsons Verfilmung der letzten Tage im Leben Jesu Christi ist einmalig. Um kein Projekt gab es schon im Vorfeld so viel Streit. Gibson fand keinen Verleih, musste sein Werk in 2800 Kinos unabhängig an den Start bringen. Nun ist "Die Passion Christi" in den USA für alle zu sehen. Aber nicht alle sind glücklich.
Die häufigsten Kritikpunkte: Übertriebene Gewaltdarstellung und Antisemitismus. Fakt ist, dass der Film die Kreuzigung ungeschönt in ihrer ganzen Brutalität darstellt. Nach Meinung von Jami Bernard nutzt Gibson aber Großaufnahmen und Zeitlupe im Dienste einer wüsten Effekthascherei: "Hier werden Juden verunglimpft, und das nonstop zwei Stunden und sieben Minuten lang."
Das Buch Mel
Papst Johannes Paul II., dem Gibson den Film zur Begutachtung zeigte, sagte dagegen nur: "Der Film ist so, wie es war."
Zwischen diesen Extremen schwanken auch die Kritiken. Einig sind sich alle, dass Gibsons die Bibel auf nicht immer geschickte Weise ausschmückt. So werden die jüdischen Wachen als außergewöhnlich gewalttätig dargestellt, die Hohepriester als herzlos und kaltblütig und Pontius Pilatus als höchst zögerlicher Henker.
Wehret den Anfängen
Der Nachrichtensender CNN befragte einen Rabbi und einen katholischen Geistlichen zum Thema des Tages. Die beiden Kirchenvertreter konnten sich nach langer Diskussion auf eines einigen:
Der Film könne nicht antisemitisch sein, da er lediglich erzähle, wie eine Gruppe von Menschen ein Unrecht verübe. Diese Gruppe dürfte aber keinesfalls mit einem ganzen Volk gleichgesetzt werden. Wer aus dem Tun Einzelner eine Kollektivschuld ableite, der bereite dem Rassismus erst den Weg, so das Argument.
Mea Culpa
Vor diesem Hintergrund will übrigens auch Mel Gibson seinen oft fehlinterpretierten Kurzauftritt als Henker verstanden wissen. Der Regisseur schlägt nämlich selbst einen Nagel ins Kreuz Christi ein. Damit wolle er aber nur klarstellen, dass er sich für das verübte Unrecht mitverantwortlich fühle. Denn das Schlechte im Menschen sei keine Frage der Herkunft, sondern liege im Wesen des Einzelnen. Dazu wolle sich auch Gibson selbst bekennen.
Ein eigenes Urteil kann man sich hierzulande ab dem 8. April bilden. Dann läuft "Die Passion Christi" auch in den deutschen Kinos an.
Quelle: http://www.kino.de
irgendwie bin ich gespannt auf den Film. In den letzten Jahren gab es keinen Film der soviel Gesprächsstoff lieferte....




