Meine Kernaussage war, dass Virtual-Boy-Spiele im NSO-Abo nicht geeignet sind, eine wahrgenommene Flaute zu kaschieren, weil selbst eines der drei Spiele deutlich mehr Impact hätte.
Dass manche eine Flaute empfinden, kann ich nachvollziehen. Ob sie tatsächlich existiert, hängt stark vom eigenen Spieleprofil ab. Wer regelmäßig Spiele kauft, schon eine Switch 1 hatte und keine Lust auf Switch-2-Upgrades hat, weil er die Titel bereits kennt oder sie schon damals nicht mochte, erlebt aktuell tatsächlich eine Durststrecke.
Seit dem Launch der Switch 2 gab es neue Titel wie Mario Kart World, Donkey Kong, Hyrule Warriors, Metroid Prime 4, Kirby Air Riders und Pokémon Legenden. Bis zum Frühling folgen noch Mario Tennis, Poketopia und das neue Yoshi. Verglichen mit typischen 9-Monats-Zeiträumen bei Nintendo ist das weder qualitativ noch quantitativ außergewöhnlich schlecht. Ähnliche oder schwächere Phasen gab es auf der Switch 1 und anderen Plattformen ebenfalls. Aus Nintendos Sicht zeigt der Erfolg der Switch, dass diese Release-Dichte grundsätzlich ausreicht.
Hinzu kommt, dass das erste Jahr einer neuen Konsole selten besonders stark ist – bei Nintendo wie auch bei der Konkurrenz. Dass die erste Switch mit Mario Kart, Zelda und einem 3D-Mario startete, lag an Sonderfällen: Mario Kart war ein Port, Zelda ein verspäteter Cross-Gen-Titel.
Spielerisch war die aktuelle Situation daher absehbar. Große neue Titel sind im ersten Jahr Mangelware, sofern sie nicht schon jahrelang in Entwicklung waren. Es war klar, dass kein neues 3D und kein neues 2D Mario kommt, weil 2D Mario erst vor kurzenm für die erste Switch kam und das Team von 3D Mario an Donkey Kong gearbeitet hat. Es war klar, dass im gleichen Jahr wo man Mario Kart hat, nicht parallel ein neues Smash kommt. Auch war klar, dass man so früh kein neues Zelda sehen wird, weil 3D Zelda lange Entwicklungszeiten hat und 2D Zelda ebenfalls gerade erst auf die Switch 1 kam. Und Pokémon Legenden ist zwar keine neue Edition, aber wenn das kommt war klar, dass nicht parallel dazu ne neue Hauptedition kommt. Von daher frage ich mich, mit was man denn gerechnet hat.
Ich kann daher verstehen, wenn Leute das als Flaute wahrnehmen geht mir ähnlich. Daher habe ich noch keine Switch 2. Wenn ich sie mir irgendwann hole, werde ich mir Mario Kart holen, weil ich das für gelegentliche Multiplayer-Sessions immer gut finde ein aktuelles Mario Kart zu haben. Ansonsten will ich von den Titeln nur Donkey Kong nachholen und werde den Rest skippen. Und wenn Poketopia gut ist, werde ich auch das spielen, weil ich auch Dragon Quest Builders mag. Aber das ist ein Titel, den man nebenbei mitnimmmt.
Strategisch ist das Line-up aber weder unklug noch im Vergleich zu früheren Nintendo-Launchjahren auffällig schwach. Im ersten Jahr kaufen vor allem Early Adopter. Durchschnittskäufer ohnehin nur 2–4 Spiele pro Jahr erwerben. Für diese Zielgruppe ist das aktuelle Angebot aus neuen Titeln, kommenden Spielen, Switch-1-Upgrades und Third-Party-Games mehr als ausreichend, wenn die jetzt so langsam hinzu kommen.
Zu den Verkaufszahlen: Natürlich sind sie durch die Hardwarebasis begrenzt. Trotzdem haben Franchises ein eigenes Verkaufspotenzial. Pokémon liegt seit jeher zwischen etwa 15 und 30 Millionen Verkäufen pro neuer Hauptgeneration – unabhängig davon, wie erfolgreich die Konsole insgesamt ist. Ähnlich bei Zelda: Klassische 3D-Zeldas überschreiteten selbst auf sehr erfolgreichen Konsolen nie die Marke von 8 Millionen Verkäufen. Das zeigt, dass es franchisebedingte Obergrenzen gibt.
Unterm Strich sind 10–20 Millionen Verkäufe für Pokémon erwartbar, alles darüber sehr gut. Für klassische 3D-Zeldas sind 5–8 Millionen solide Zahlen. Nur Mario-Plattformer und Pokémon erreichen zuverlässig deutlich zweistellige Millionenwerte – sobald die Hardwarebasis groß genug ist.
Und von daher spielte Zelda vor Breath of the Wild nicht in einer Liga mit Mainline-Pokémon oder Mario-Hauptspielen. Selbst Mario Spin-Offs lagen teilweise davor.